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USA Roadtrip 2019: Capitol Reef Nationalpark und Abschied aus Utah

Wisst ihr, wie man die Enttäuschung durch das eklige Fettgebäck von der Tankstelle des Vorabends am schnellsten vergessen kann? Indem man den nächsten Tag direkt mit einer weiteren essensbedingten Enttäuschung startet. So erging es zumindest uns am Sonntagmorgen. Der Fettklumpen mit Kirschfüllung war noch nicht verdaut, als wir uns zum Frühstück aufmachten. Laut Voucher sollten wir eine Auswahl aus drei Gerichten haben: Rührei mit Wurst oder Früchten, Pancakes mit Wurst oder Früchten und ein Frucht-Parfait. Die Bedienung im Restaurant klärte uns aber auf, dass man da kurzfristig etwas geändert hätte und wir nur das Parfait und Waffeln zur Auswahl hätten. So wählte Sandra das Parfait ohne Joghurt und ich bestellte Waffeln mit Früchten. Unser Bauchgefühl sagte in diesem Moment schon, dass es traurig werden würde und es sollte sich bewahrheiten. Sandras Frühstück bestand dann aus einem Schälchen mit Granola, einer geschnittenen Erdbeere und drei Blaubeeren während ich eine Waffel mit einem Burger-Patty daneben serviert bekam. Ja, richtig gelesen, es lag neben einer klassischen Waffel aus dem Waffeleisen einfach ein gebratenes Burger-Patty auf meinem Teller. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob für die Bedienung die Gleichung Früchte = Patty galt oder ob das versehentlich auf den Teller gefallen ist, aber es war nunmal da und blieb auch dort liegen. Enttäuscht und nicht annähernd gesättigt verließen wir dann das Restaurant und kurze Zeit später auch das Hotel.

In der Nacht war derweil ein kleiner Sturm über den Süden Utahs hinweg gezogen (wir merkten das in unserem Zimmer weil es ununterbrochen zog wie Hechtsuppe) und hatte mal eben die milden Tagestemperaturen mitgenommen. So verließen wir bei knapp 0 Grad das Hotel und sollten auch den ganzen Tag über nicht merklich über 10 Grad kommen. Zum Start ging es aber von den Temperaturen unbeeindruckt erst einmal in den quasi vor der Haustür gelegenen Capitol Reef Nationalpark. Dort entschieden wir uns, zunächst den ausgewiesenen Scenic Drive zu fahren. Dummerweise war der irgendwie gar nicht mal so scenic, wie wir es erwartet hatten. De facto sahen wir dort nicht wirklich etwas anderes, als wir die letzte Woche quasi durchgehend auf unserer Reise zu sehen bekamen: Steine.

Dies in Kombination mit dem Frühstücks-Fiasko sorgte nicht gerade für Euphorie. Im Gegenteil: Sandra nahm sich einen klassischen „Ich-hab-jetzt-auch-gar-keinen-Bock-mehr-mir-irgendetwas-anzuschauen-Tag“ und fand alles blöd. Egal welche Aussicht man sehen konnte, sie blieb einfach im Auto sitzen. Das änderte sich nur vorübergehend, als wir an drei Rehen vorbeikamen, die an einem Picknick-Platz frühstückten. Dort wollte sie plötzlich aussteigen und Zeit verbringen – Überraschung. Als sie davon dann aber genug hatte, verließen wir den Scenic Drive und bogen wieder auf den Weg ein, den wir am Vortag bereits entlang gefahren waren.

Durch den Lauf des Fremont River und die herbstlich gefärbten Bäume wurde der Park dann doch ganz schön und auch ein Stück weit anders, als die anderen Nationalparks der letzten Tage. So hielten wir dann sogar auch an und entschieden uns für eine kurze Wanderung. Dummerweise hatten wir unsere Motivationsreserven am Vortag scheinbar aufgebraucht, denn die Wanderung ähnelte in Sachen Tempo und Engagement dann eher einem Spaziergang unter Rentnern und war ziemlich mühsam. Den kurzen Trail zur natürlichen Hickman-Bridge brachten wir aber trotzdem hinter uns.

Die Verlängerungs-Option an einer Gabelung lehnten wir dann aber dankend ab – wir hatten uns an beeindruckenden Felsformationen offensichtlich satt gesehen. So ging es dann zurück zum Auto und wir verabschiedeten uns vom herbstlich-bunten Capitol Reef Nationalpark.

Damit hatten wir den am weitesten von unserem Startpunkt entfernten Ort abgehakt und machten uns offiziell auf den Rückweg. Gleichzeitig offenbarte sich die nicht ganz optimale Routenplanung: den Großteil der etwas mehr als 3 Stunden langen Autofahrt, die uns zurück nach Colorado führte, waren wir erst am Vortag in die anderen Richtung gefahren. Aber hey, so konnten wir den nur bedingt überzeugenden Capitol Reef Nationalpark noch mitnehmen – hurra.

Nur lange, nahezu zivilisationslose drei Autostunden später verließen wir dann Utah und überfuhren die Bundesstaatsgrenze nach Colorado. Kaum war das geschehen, wurden wir auf der Interstate auf 75 Meilen heruntergebremst und bekamen den Hinweis, „Don’t text and drive“ – scheinbar sind die Leute in Utah da doch noch eine Ecke lockerer als in Colorado (was will man von Mormonen auch erwarten, bei denen Vielweiberei immer noch en vogue ist?). Wirklich stören tat das aber nicht, und so statteten wir dann auf unserem Weg noch dem Colorado National Monument einen Besuch ab. Wieso wir das taten? Nun, es schmückt die Titelseite unseres Reiseführer, da dachten wir, das müssen wir uns mal anschauen. Es war auch wirklich ein schöner kleiner Abstecher – aber auch hier muss ich leider sagen: langsam habe ich genug Felsen gesehen.

Danach gab es dann noch die fast obligatorische Abendgestaltung: Hotel, Abendessen (diesmal vegane Beyond Meat Burritos), Walmart (inklusive einer fülligen Frau in Leggins und bauchfreiem Oberteil uns rotem Umhang – wie konnte Supergirl bloß so abstürzen?) und wieder ab ins Hotel. In diesem scheint sogar ausnahmsweise mal das WLAN vernünftig zu funktionieren – was vielleicht daran liegt, dass wir quasi alleine hier sind. Das wiederum liegt wahrscheinlich daran, dass unser Hotel fernab jeglicher Geschäfte und Restaurants in gefühlt dritter Reihe hinter den anderen Hotels liegt. Dafür ist es sogar mal halbwegs ansehnlich und nicht ganz so verwohnt wie unsere üblichen Absteigen. Wie man wohl merkt, war heute ein wenig die Luft raus. Ich hoffe, das ändert sich morgen, wenn wir doch tatsächlich mal wieder eine echte Stadt sehen. Wenn nicht, gibt es hier die nächsten Tage nur noch grumpy Content – wäre dann also quasi wie zuhause.

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