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USA Roadtrip 2019: Arches Nationalpark – plötzlich wird gewandert

An diesem Samstag war es endlich soweit: Klappte das frühe Aufstehen bisher den gesamten Urlaub überraschend gut, riss uns der Wecker an diesem Morgen grausam aus dem Schlaf. Diesmal war es 5:45 und womöglich dachten unsere Körper, es wäre wieder Zeit für die Arbeit, aber nein, es traf lediglich ein langes Wochenende in Utah auf den von uns geplanten Besuch eines beliebten Nationalparks. Wir wollten so früh wie möglich im Park sein, um uns das, was wir uns vorgenommen hatten, auch noch ansehen zu können. So kam es dann, dass wir um 6:50 das Hotel verließen und uns noch deutlich vor dem Sonnenaufgang zum Arches Nationalpark aufmachten. Wer nun aber denkt, dass wir die ersten Besucher waren, der liegt weit daneben. Mal abgesehen vom obligatorischen Homeboy, der egal zu welcher Uhrzeit einen Nationalpark bereits wieder verlässt, wenn wir in betreten, waren auch noch eine ganze Reihe anderer Leute auf die kluge Idee gekommen, früh aufzustehen. Wir bekamen aber noch einen Parkplatz am ersten Trailhead des Tages und merkten dann erst so richtig, dass es so früh am Morgen doch noch ganz schön kalt war. Dick eingepackt machten wir uns aber trotzdem auf den ersten 5km langen Wanderweg des Tages zum Wahrzeichen des Nationalparks: dem Delicate Arch. Auf dem Weg trafen wir dann direkt erstmal auf eine kleine Reh-Herde, die sich merklich bei ihrem Frühstück gestört fühlten.

Als uns dann bewusst wurde, dass quasi der komplette Hinweg nur steil bergauf ging, wollte sich unsere Motivation schon wieder auf den Weg Richtung Auto machen. Aber wir stellten uns der gefühlt ewig langen steinernen Rampe und auch allem, was danach noch kam und erreichten, wie reichlich andere Leute auch, den Delicate Arch.

Zugegeben, der Bogen war schon ziemlich cool und ich kann auch durchaus verstehen, wieso man sich in Utah dafür entschieden hat, diesen auf jedes Nummernschild zu packen. Wieso aber gefühlt jeder Besucher sich unter dem Arch fotografieren ließ, erschließt sich mir nur bedingt, denn mit dem gesamten Bogen auf dem Foto, sieht man von der Person selbst im Grunde gar nichts. Ob dort nun man selbst oder Onkel Erwin steht, einen Unterschied merkt niemand.

Nach einem durchaus entspannten Aufenthalt machten wir uns dann auf den Rückweg, der deutlich weniger anstrengend war (was für eine Überraschung). Außerdem hatte sich die Sonne in der Zwischenzeit ja auch ein wenig nach oben gearbeitet, sodass die Landschaft in ein wirklich schönes Licht getaucht wurde.

Wer nun denkt: ok, die beiden sind erstmal gewandert, dann wird der Rest des Tages wohl im Auto stattgefunden haben, der liegt in diesem Fall ausnahmsweise falsch. Denn wir hatten uns natürlich im Vorfeld schlau gemacht und waren dabei auf den Devils Garden gestoßen, einen Teil des Parks, der als absolut sehenswert gilt. Der Haken an der Sache: der Bereich kann nur erwandert werden, aus 12-18 km langen Trails. Ob es an der in diesem Urlaub oft dünnen Luft oder an Mangelernährung aufgrund von Burger King besuchen lag, ist nicht ganz klar, aber wir dachten uns: lass mal einfach noch weiter wandern. Also fuhren wir weiter in den Park, wurden auf dem Weg von einer Rangerin nett darauf hingewiesen, dass auf dem Parkplatz noch ausreichend Plätze zur Verfügung stehen (ja, für diese Info wurde eine Mitarbeiterin an die Straße gestellt und sprach jedes Auto an) und marschierten dann einfach drauf los. Auf der Toilette zu Beginn des Trails bin ich dann aber noch über das folgende schöne Hinweisschild gestolpert:

Gibt es tatsächlich Leute, die in einem Nationalpark eine Toilette betreten und sich dann denken: Mensch, das ist aber ein schönes Klo. Da setz ich doch einfach mal einen schönen Haufen direkt daneben auf den Boden?! Offensichtlich ja, sonst gäbe es wohl diese Schilder nicht. Aber nun zurück zum Wandern.

Zunächst war der Weg ganz easy und problemlos, bis wir an die Abzweigung kamen, an welcher der „Primitive Trail“ begann.

Die Warnung vor „Difficult Hiking“ taten wir als klassische, amerikanische Panikmache ab und verließen daher den Hauptweg um diesen Trail zu laufen. Anfangs ging es erstmal eine ganze Weile auf sandigem Wegen durch die Landschaft und wir dachten: Mensch, auf Sand gehen ist nicht so cool, aber mehr als ein Spaziergang am Strand ist das hier ja jetzt nicht.

Es ging noch weiter über Stock und Stein bis wir auf einem Felsen eine Pause einlegten und noch amüsiert darüber sinnierten, wir lächerlich diese Warnung doch gewesen ist. Keine fünf Minuten später begannen wir unsere Meinung zu revidieren. Der Weg wurde schmaler, schwerer zugänglich und schon an der ersten etwas ungemütlicheren Stelle, man musste sich Bücken und am Boden waren Wurzeln, maulte ich mich als weltweit anerkannter Körperklaus auf und schürfte mich leicht das Knie auf. Aber auch für Sandra kam kurz darauf die erste echte Herausforderung, denn aus dem Nichts musste man plötzlich glatte Felsen besteigen und sie stand kurz davor, aufgrund ihrer Beinlänge an diesem Unterfangen zu scheitern. Doch letztlich schaffte sie es doch und wir begannen unsere steinigen Aufstieg.

Belohnt wurden wir immer wieder mit solch tollen Ausblicken und wenn man bedenkt, dass wir uns hier am oberen Rand des Canyons aufhielten, durch dessen Boden wir zuvor noch gelaufen sind, ist das schon gar nicht mal so übel. Dass uns auf diesem Weg so gut wie keine Menschen Gesellschaft leisteten, machte das Ganze gleich doppelt angenehm. Irgendwann war diese schöne Ruhe aber dann vorbei, denn wir erreichten das Ende unseres Trails und trafen am Double-O-Arch auf den Hauptweg. Plötzlich waren überall Familien mit Kindern und ich war schlichtweg genervt.

Denn nicht nur, dass diese Familien jedes Foto zerstörten, sie waren auch laut und vor allem langsam. Auf dem Rückweg auf dem Haupt-Trail mussten wir immer wieder warten, weil irgendwer irgendwo nicht hoch oder runter kam oder einfach willkürlich stehen blieb. Klar, die Ausblicke über die Landschaft waren wirklich toll und wann war auch ganz schön weit oben über dem Boden, aber muss man dann mitten im Weg rumstehen? Ich glaube nicht.

Trotzdem gelang es mir, mich soweit zu beherrschen, dass ich keinen der nervenden Bremser in irgendeinen Abgrund schubste oder mit herumliegenden Steinen bewarf. Ich finde, das ist auch eine beachtenswerte Leistung. Irgendwann kamen wir dann, mittlerweile mit deutlich weniger Wander-Motivation, am Landscape Arch vorbei, dem weitesten natürlichen Steinbogen der Welt.

Von dort aus war der restliche Weg quasi ein Kinderspiel. Offenbar sah das auch eine ältere Dame so, denn sie kam uns irgendwann mit einem Elektro-Rollstuhl entgegen. Wie sie es allerdings bis zu diesem Arch schaffen wollte, blieb fraglich, denn schon auf fast ebenem Boden erinnerte ihr Tempo an eine fußkranke Schildkröte. Wenn ihr Gefährt nicht noch einen geheimen Offroad-Modus im Gepäck hatte, wird sie womöglich auch jetzt noch dort im Sand feststecken. Als wir derweil am Auto ankamen, hatten wir genug vom Wandern und von Steinbögen. Nass geschwitzt und mit dem Geruch einer Iltis-Höhle setzten wir uns ins Auto und fuhren einfach los. Aussichtspunkte und andere kurze Wanderwege konnten unsere Interesse nach insgesamt 20 Kilometern Wandern binnen etwa 5 Stunden nicht mehr wecken und so hielten wir lediglich noch am Balanced Rock kurz vor dem Parkausgang, wo wir in der Nacht zuvor noch Sterne beobachtet hatten. Unser Fazit zum Nationalpark fiel trotzdem äußerst positiv aus: schöne Landschaften, anspruchsvolle, abwechslungsreiche und unterhaltsame Wanderwege – so macht Natur wirklich Spaß und selbst solche Bewegungslegastheniker wie wir, betätigen sich einmal freiwillig.

Anschließend verließen wir Arches und starteten unsere 2,5 stündige Weiterfahrt zu unserer nächsten Übernachtung. Als wir dann seit unserem ersten Tag erstmals auf eine Interstate einbogen und doch tatsächlich 80 Meilen (130 km/h) fahren durften, gerieten wir schon fast in einen Geschwindigkeitsrausch. Das einzige, was uns davon abhielt, war nach der anstrengenden Wanderung unser Hunger. Wie Gott gegeben tauchte dann beim einzigen Food-Exit auf den nächsten 110 Meilen Interstate unsere Rettung auf: Burger King. Ich glaube, so oft wie in diesem Urlaub war ich sonst in meinem ganzen Leben noch nie in diesen „Restaurants“, aber was will man machen. Auch hier hatten wir aber eine etwas merkwürdige Begegnung mit der Bedienung. Mal abgesehen davon, dass der Kumpel aussah wie ein Hillbilly aus dem Lehrbuch, starrte er uns einfach nur an, anstatt uns zu begrüßen oder zu fragen, was wir bestellen möchten. Es wirkte fast so, als wäre das Licht in seinem Kopf zwar an, aber es wäre niemand zuhause. Wir versuchten unser Glück dann einfach mit unserer Bestellung und wie von Geisterhand hämmerte er auf sein Terminal, als würde er mit seinem Zeigefinger seinen ganzen Hass auf die Job-klauenden Einwanderer, seinen Job bei Burger King und die intellektuelle Oberschicht herauslassen wollen. Unser Essen bekamen wir trotzdem und es schmeckte sogar.

Frisch gestärkt ging es dann weiter auf leeren Straßen durch leere, weite Landschaften, bis zu unserem Ziel in Torrey. Dass wir dabei schon durch etwa 75% des Nationalparks gefahren sind, der für Sonntag auf dem Plan steht, sei nur am Rande erwähnt. Wir taten nämlich einfach so, als würden wir nichts sehen um uns nicht selbst schon den nächsten Tag zu spoilern. Auch dass unser Hotel erneut eher einfach ist und aus dem Nichts ein Feueralarm losging, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Während wir in unserem Zimmer eine Runde chillten, kippte draußen auf einmal das Wetter. Wolken zogen auf und es wurde windig. Das merkten wir aber erst, als wir für das Abendessen bei Subway das Haus verließen und dabei fast wegflogen. Bei Subway (wohl gemerkt in einer Tankstelle, wir auch schon unser Burger King am Mittag) bekamen wir diesmal sogar das, was wir bestellt hatten. Voller Euphorie über diesen Erfolg gingen wir dann im Tankstellen-Shop noch auf die Suche nach einem Nachtisch. Als wir mit einer viel zu teuren Tüte Chips bereits auf dem Weg zur Kasse waren, entdeckte Sandra plötzlich Kirschtörtchen für die Mikrowelle. Die Vorstellung auf warme, schmackhafte Backwaren war verlockend und so ließen wir uns auch vom günstigen Preis von einem Dollar pro Stück nicht abschrecken – ein Fehler, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Denn der Geschmack der Törtchen war eine Katastrophe. Sie schmeckten so, als hätte man das alte Fett von McDonalds genommen, an eine Dönerbude verkauft, dort noch zwei Wochen genutzt und es anschließend an die Backfabrik weiterverkauft, die damit dann die Törtchen frittierten. Vielleicht sollte aus dem Teig auch eigentlich mal Tierfutter werden, aber die Qualität reichte nicht aus, sodass man es nun an Tankstellen an solche Idioten wie uns verkauft. In jedem Fall rundete dieser Snack einen sonst wunderbaren Tag nicht standesgemäß ab. Das muss besser werden.

Ein Kommentar

  1. Claudia Claudia

    Na hoffentlich braucht ihr keinen Urlaub nach dem Urlaub! Hört sich aber nach einer sehr schönen Gegend an! Das gesunde und schmackhafte Essen gibt es dann zuhause

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