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USA Roadtrip 2019: Canyonlands Nationalpark und Stargazing

Bevor ich mit der Beschreibung unseres Tages anfange, möchte ich erst einmal ein paar Random-Fakts über unser Hotel in Moab ablassen. Wir wohnen im Rustic Inn, welches das Navi amüsanterweise als Rostig Inn bezeichnet. Das Zimmer ist groß, der Fernseher ebenfalls und daher völlig unpassend und wir haben eine Küchenzeile. Diese hat zwei klassische Küchen-Spülbecken, dafür haben wir aber kein Waschbecken im Badezimmer. De facto ist es also eine Badküche. Eine Innovation mit Zukunft? Fraglich. Die Badezimmertür ist derweil etwa 4cm dick und besteht offenbar aus Pappe in Holzoptik, denn sie wiegt gar nix und lässt sich mit dem Daumen biegen. Außerdem haben wir, was für die USA äußerst ungewöhnlich ist, eine Deckenlampe. Diese erinnert allerdings eher an die Notaufnahme im Krankenhaus von Bergheim als an eine Zimmerlampe. Übrigens nicht nur vom Design, sondern auch vom unglaublich kalten, weißen Licht, welches sie ausstrahlt. Aber immerhin läuft das WLAN – ein Erfolg.

Aber nun zu unserem Freitag. Wie schon fast aus Gewohnheit standen wir um 6 Uhr auf (diesmal nicht mehr ganz so problemlos ohne Wecker), machten uns fertig und frühstückten diesmal auf dem Zimmer, denn das Rustic Inn bietet kein Frühstück an. Dass Mandelmilch und Orangensaft aus Kanister-ähnlichen Behältern kamen, sei hier nur am Rande erwähnt. Anschließend ging es diesmal dann noch vor Sonnenaufgang aus dem Haus und mit dem Auto Richtung Canyonlands Nationalpark – wir wollten dem Besucheransturm zuvorkommen. Wann genau die Sonne während unserer Fahrt aufging, bekamen wir diesmal aber sowieso nicht mit, denn der Himmel war wolkenverhangen. Als wir am Parkeingang ankamen, bot sich uns ein prinzipiell toller Ausblick, aber die Wolken störten doch merklich.

Auch an unserem nächsten Stop, dem Mesa Arch, blieb unsere Laune bedeckt wie der Himmel. Sollte dies etwa der erste semi-gute Tag des Urlaub werden? Wir fuhren weiter zu unserem nächsten Haltepunkt, ergatterten einen der letzten offiziellen Parkplätze und überdachten dann unser weiteres Vorgehen. Das Ergebnis: erst eine Stunde Nickerchen im Auto und dann weiterschauen. Also ab mit den Rückenlehnen nach hinten und die Augen zu. Dass wir von Passanten verwunderte Blicke ernteten, störte uns dabei gar nicht. Denn der Erfolg gab uns recht. Nur eine Stunde später hatten sich die Wolken nahezu komplett aufgelöst und es bot sich uns schon zu Beginn unserer kurzen, etwa 3km langen Wanderung zum Grand Viewpoint, ein toller Blick.

Noch beeindruckender wurde es aber dann am Ende des Trails, denn der Aussichtspunkt machte seinem Namen alle Ehre und war einfach groß. Egal in welche Richtung man schaute, überall sah man nur von diversen Canyons zerfurchtes Land.

Normalerweise halten wir uns an solchen Punkte ja trotz toller Aussicht nicht länger als 5 Minuten am Stück auf, aber hier verweilten wir tatsächlich mehr als eine halbe Stunde in der Sonne und genossen einfach den Ausblick. Dass uns dabei quasi keine Leute störten weil wir uns etwas abseits des Trails hinsetzten, war ein nettes Add-on. Irgendwann brachen wir dann aber doch wieder auf, schließlich wollten wir mit dem nun tollen Wetter auch noch etwas mehr vom Park sehen. Mit einigen kurzen Stopps an verschiedenen Aussichtspunkten kamen wir schließlich noch einmal zum Mesa Arch. Dieses „Highlight“ des Parks wollten wir uns nach der morgendlichen Enttäuschung doch noch einmal bei schönem Wetter anschauen. Der kleine Krieg von Fotografen mit Stativen hatte sich in der Zwischenzeit aufgelöst und wurde nun durch haufenweise Familien mit wild umherlaufen Kindern ersetzt. Wieso zur Hölle haben die hier in Utah eigentlich mitten im Oktober zwei Tage schulfrei und somit ein langes Wochenende? Unerhört! Glücklicherweise sorgte ein älterer Herr mit fast schon vorbildlich deutschen passiv-aggressiven Äußerungen dafür, dass sich, zumindest vorübergehend, eine Reihe bildete, damit jeder ein Foto vom Bogen ohne Menschen machen konnte.

Ich persönlich hätte das nicht unbedingt gebraucht, aber besser haben als brauchen, oder? Keine zwei Minuten später liefen von überall wieder Familien mitten unter den Bogen und die schöne Ordnung war dahin. Der ordnungsliebende Herr sah sein Werk dahin schwinden und ich meine, unter seiner Sonnenbrille auch etwas Wehmut erkannt zu haben. Wir ließen uns davon nicht weiter stören, liefen einige Meter von den anderen Besuchern weg und genossen auch hier nochmal die Sonne und den Ausblick mit ein paar Snacks. So ließ es sich verdammt gut aushalten.

Dass es in der Zwischenzeit, wie erwartet, ziemlich voll geworden war, merkte man quasi an jeder Ecke. Die Parkplätze wurden von semi-legal parkenden SUVs überfallen und Familien mit Kindern waren quasi allgegenwärtig. Genau die richtige Zeit also, um in der Mittagszeit das Feld zu räumen. Der letzte Foto-Spot war dann noch einmal der allererste und was soll ich sagen: wer hier jetzt sagt, für schöne Fotos braucht man kein schönes Wetter, der hat einfach keine Ahnung.

Da wir noch eine weitere Nacht im Rustic Inn vor uns hatten, stand am Nachmittag dann kein Autofahren auf dem Programm, sondern stattdessen ein Bummel durch Moab. Zunächst führte uns dieser Spaziergang zwecks Mittagessen zu Burgerking, bevor wir zu Subway gingen um uns schon einmal für das Abendessen ein Sandwich zu holen. Leider waren die drei Mitarbeiter bei Subway allesamt grauenhaft in ihrem Job. Die eine Angestellte hatte ihre Mundwinkel offensichtlich unter ihren Achseln befestigt und kannte scheinbar den Unterschied zwischen „bitte keine schwarzen Oliven“ und „bitte das ganze Sandwich voller Oliven“ nicht, denn ein anderer Gast wurde für seine fromme Bitte nach einem Olivenverzicht mit einer extra Portion Oliven bedacht. Unser Service-Mitarbeiter sprach in etwa so gut Englisch wie Lothar Matthäus. Er verstand nicht, welches Sandwich wir wollten, packte statt gelbem Senf zwei Hände voll gelber Peperoni auf unser Sandwich und wirkte allgemein so, als hätte er noch nie irgendein Sandwich zubereitet. Der ganze Prozess ähnelte einem Autounfall: Hinsehen war grausam, aber Wegsehen ging irgendwie auch nicht. Mit unserem Unfall-Sandwich erkundeten wir dann noch den Rest von „Downtown“-Moab und stellten fest: irgendwie gibt es hier nur Restaurants und Ramsch-Läden. Also quasi wie Bergheim, nur in ansehnlich und mit Lokalen anstelle von Apotheken.

Nach Einbruch der Dunkelheit (und Verzehr des Unfall-Sandwichs) haben wir dann noch eine besondere Aktivität gestartet: Stargazing. Auf Deutsch handelt es sich schlicht und einfach um das Beobachten von Sternen und dafür ist der Arches Nationalpark hier um die Ecke bestens geeignet, denn dort gibt es im keinerlei künstliches Licht. So fuhren wir entgegen der Menschenmassen, die aus dem Park herausfuhren, in den dunklen Park hinein, suchten uns einen geeigneten Spot und genossen den einmaligen Anblick des vollen Sternenhimmels. Es war wirklich atemberaubend, wie viele Sterne man mit bloßem Auge sehen konnte.

Insgesamt kann man wohl getrost von einem fantastischen Urlaubstag sprechen. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, was für tolle Dinge die Natur für uns bereithält. Ich denke, Respekt und Dankbarkeit sollten an dieser Stelle einfach zum Abschluss des Tages ausreichen.

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