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One Day in: Bukarest

Wer über ein Ziel für eine Städtereise nachdenkt, dem kommt höchstwahrscheinlich nicht unbedingt Bukarest in den Sinn. Aber woran liegt das eigentlich, dass die siebtgrößte Stadt der europäischen Union so unter dem Radar fliegt? Sind die Leute von Rumänien als Reiseland abgeschreckt oder gibt es in Bukarest einfach nichts zu sehen? Ich habe mir selbst vor Ort ein Bild gemacht und kann sagen: Bukarest lohnt sich durchaus.

Where to start?

Da die Hauptstadt Rumäniens mitten in der Walachei liegt, beginnt eine Bukarest Reise tendenziell mit der Ankunft am Flughafen Bukarest Henri Coanda, ehemals Bukarest Otopeni. Von dort aus sind es nochmal knapp 20 Kilometer bis in die Stadt, die man am bequemsten mit einem Taxi zurücklegt. Die Bestellung erfolgt vor Ort an bereitgestellten Terminals einfach und komfortabel und man erhält eine Quittung mit dem Anbieter und der Nummer des reservierten Taxis. Direkt vor dem Terminal fahren dann reihenweise Taxis vor und mit geübtem Blick findet man dann auch schnell „seinen“ Fahrer. Man sollte allerdings keine zu hohen Ansprüche an Qualität und Sicherheit der Fahrt haben, denn die Fahrzeuge sind nicht unbedingt die neuesten Modelle und auch Sicherheitsgurte sind, obwohl vorgeschrieben, nicht zwangsläufig vorhanden. Bei Preisen zwischen 6 und 15 Euro für eine Fahrt kann man wohl aber auch nicht allzu viel erwarten. Und ja, die Preise sind so schwankend und sowohl vom Anbieter als auch vom Fahrer abhängig. Ein bisschen was Wahres ist also an den Abzieher-Vorurteilen durchaus dran.

In der Stadt selber bietet sich hingegen der zentrale Platz Piata Unirii als Ausgangspunkt für eine Stadterkundung an – quasi nicht zu verfehlen und für die komplette Innenstadt ein perfekter Start.

Where to go?

Es fällt mir schwer, ganz konkrete Empfehlungen auszusprechen, was man in Bukarest gesehen haben muss und was nicht, denn so abgedroschen es klingen mag, die Stadt hat einen einzigartigen Charme. Man findet alle Nase lang Prunkbauten neben heruntergekommenen Wohnhäusern, gespickt mit kleinen Kirchen. Kein untypisches Stadtbild für Osteuropa, aber in Bukarest noch einmal deutlich ausgeprägter als in anderen Städten. Vor allem die „Altstadt“ zwischen Universität und dem Boulevard Unirii sprüht nur so vor Charme und besonderen Eindrücken, die man einfach gemütlich schlendernd auf sich wirken lassen kann.

Ein klassischer Bukarest Moment: historische Gebäude direkt neben einem heruntergekommenen Hochhaus

Vor allem die Tatsache, dass selbst an den Sehenswürdigkeiten keine Menschenmassen anzutreffen sind, ist in Bukarest sehr angenehm. Da ist es dann auch zu verschmerzen, dass die Gehwege teilweise durchaus abenteuerlich sind und man nicht immer das Gefühl hat, mitten in einer europäischen Hauptstadt zu sein. Die Erinnerung daran kriegt man dann allerdings spätestens durch das unglaublich protzige rumänische Parlamentsgebäude vor Augen geführt. Denn am Ende des langen Boulevards Unirii, auf welchem man übrigens anhand der Gebäude merkt, woher Bukarest den Spitznamen „Paris des Ostens“ hat, wird man von einem der flächenmäßig größten Gebäude der Welt erwartet.

Das massive rumänische Parlamentsgebäude

Rein optisch ist das Gebäude weder sonderlich schön, noch außergewöhnlich sehenswert, aber allein aufgrund der Größe sollte man den Abstecher unternehmen und sich selbst ein Bild machen. Aber auch für Leute, die sich nicht so sehr für Bauwerke oder Kirchen interessieren, hat Bukarest einiges zu bieten. Denn quer durch das gesamte Stadtbild gibt es zahlreiche kleinere und größere Parkanlagen, die zum Spazieren und Verweilen geradezu einladen.

Where to eat?

So einladend die Bukarester Parks sind, ist es auch das Preisniveau. Essen in Bukarest ist für Westeuropäer fast schon geschenkt. Burger für teilweise unter einem Euro und ein gutes Mittagessen inklusive Getränke für zwei Personen für nicht einmal 10 Euro pro Person sind keine Seltenheit. Trotzdem sollte man natürlich darauf achten, dass man für den geringen Preis auch gute Qualität bekommt. Zwar ist ein nicht so gutes Mahl so eher verschmerzbar als bei hohen Preisen, aber eigentlich sollte ja vor allem der Genuss im Mittelpunkt stehen.

Hierfür bietet sich aufgrund der zentralen Lage und des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses das kleine Restaurant „Borsalino“ in kurzer Entfernung zum Piata Unirii an. Das italienische Lokal über zwei Etagen überzeugt durch netten, englischsprachigen Service, gute Preise und vor allem aber auch leckere Pizzen.

Die Pizza im Borsalino kann sich wirklich sehen lassen

Wen also während der Stadterkundung der Hunger packt, der kriegt hier für wenig Geld gutes Essen und kann anschließend direkt im Zentrum weiter auf Entdeckungstour gehen.

Where to sleep?

Da Bukarest bekanntlich in Rumänien liegt und selbiges nicht gerade um die Ecke ist, möchte man natürlich auch gern eine gemütliche Unterkunft haben, um die zahlreichen Eindrücke des Tages wirken zu lassen. Eine klare Empfehlung an dieser Stelle ist das Mercure Bucharest City Center am Rande der Innenstadt. Das moderne Hotel liegt in einer ruhigen Seitenstraße direkt in der Nähe der „Stadtautobahn“ und nur wenige Gehminuten von der Universität und der Altstadt entfernt. Die Zimmer sind geräumig, schlicht aber schick eingerichtet, das Internet funktioniert einwandfrei und selbst einige deutsche Fernsehsender können empfangen werden. Einzig der Preis für das Frühstücksbuffet ist unangemessen hoch, aber das lässt sich verschmerzen, denn nur wenige Meter entfernt gibt es einen Supermarkt und auch einige Cafés, in denen man deutlich günstiger frühstücken kann. Leider setzt sich das niedrige Preisniveau in Bukarest nicht bis zu den Hotels fort, aber trotzdem kriegt man im Mercure ein gutes Angebot, sodass man es als Ausgangspunkt für die Erkundung von Bukarest absolut empfehlen kann.

Roundup

Die Tatsache, dass es für Bukarest so gut wie keine Reiseführer im Handel gibt, sagt einiges über die bisherige touristische Relevanz der Stadt aus. Allerdings dürfte sich das nach und nach ändern, denn an sich hat das Paris des Ostens wirklich einiges zu bieten. Natürlich darf man keine Hochglanz-Metropole mit perfekter touristischer Infrastruktur und weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten erwarten. Dafür kriegt man aber eine Stadt voller Charme geboten, die man bisher noch nahezu ungestört, ganz gemütlich und ohne Stress erkunden kann und in der hinter jeder Straßenecke eine Kirche oder ein anderes Bauwerk warten kann, mit dem man an der Stelle überhaupt nicht gerechnet hat. Darüber hinaus kriegt man ein fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis, wahnsinnig schnelles und gut ausgebautes mobiles Internet und gleichzeitig auch einen Hauch von Abenteuer auf den Straßen. Bukarest ist für mich daher ein absolut unterschätztes Reiseziel, dass es aber in jedem Fall verdient hat, deutlich mehr touristische Aufmerksamkeit zu erhalten. Also nichts wie ab nach Bukarest, bevor die Touristenmassen kommen.

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