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USA Roadtrip 2017: On the road again – Küste, Kurven und creepy Guys

Am Sonntag, nach einer doch erstaunlich ruhigen Nacht, ging es dann zurück auf die Straße. Wer mich kennt, weiß, dass ein richtiger Urlaub mit viel Autofahren zu tun hat. Diesmal betraten wir den berühmten Highway 1, den Scenic Coastal Highway, der seinem Namen absolut alle Ehre machte. Die Straße führte entlang schroffer Felsküsten, die alle Nase lang wunderschöne Ausblicke über den Pazifik zu bieten hatten, sodass man gar nicht wusste, wo und wie oft man anhalten sollte, um diese auch wirklich genießen zu können.

Die raue kalifornische Küste

Bei einem unserer zahlreichen Stops konnten wir sogar einen Wal beobachten, der einige kurze Atemzüge nahm um dann wieder seinen Tätigkeiten unter der Wasseroberfläche nachzugehen. Einfach ein schönes Fleckchen Erde diese kalifornische Küste. Einzig die Fahrerei auf diesen engen, kurvigen Bergstraßen könnte durchaus einfacher sein. Aber wie heißt es so schön: Wer etwas sehen will, muss leiden. Oder zumindest so ähnlich. Unser Etappenziel an diesem Tag war der Ort Fort Bragg, wo unser Domizil das örtliche Super 8 Motel sein sollte. Vom Slogan „Destination Super“ war die Unterkunft dann aber leider meilenweit entfernt. Der Check-in wurde uns zunächst verweigert, weil die Zimmer noch nicht fertig waren. Daher fuhren wir zum nächstgelegenen Minigolf Platz und gönnten uns erstmal entspannte 18 Löcher. Dummerweise hatte sich in der Zwischenzeit in dem für uns vorgesehen Zimmer noch absolut gar nichts getan, sodass wir uns dann in die Lobby setzten und nochmal mehr als eine halbe Stunde warten mussten. Kein guter Start für das Motel. Nach einer kurzen Pause ging es dann in den Nachbarort Mendocino, dem bei Schlagerfans bekannten Ort, der in Wirklichkeit aber nicht einmal 1000 Einwohner zählt und somit sogar vom ehemaligen Kerpen Manheim locker in den Schatten gestellt worden wäre. Gut, im Gegensatz zu Manheim hat Mendocino aber einen wunderschönen Küstenabschnitt im Angebot, den man sich nicht entgehen lassen darf.

Die Küste bei Mendocino – nicht nur für Schlagerfans absolut sehenswert

Hier wurden übrigens auch Szenen von Hitchcocks Horror-Klassiker „Die Vögel“ gedreht und wenn man vor Ort ist, weiß man auch genau warum. Wohin das Auge blickt, hängen zahlreiche Krähen rum und man sieht ihnen quasi an, dass sie nichts Gutes im Schilde führen. Ob es dann an den mystischen Krähenkräften oder an meiner puren Bewegungslegasthenie lag, ist nicht ganz klar, aber in jedem Fall schaffte ich es, beim Versuch ein Foto zu schießen umzuknicken und meinen Knöchel schmerzhaft in Mitleidenschaft zu ziehen – einer meiner vielen Klassiker. Da konnten mich natürlich nur noch zwei Dinge an diesem Tag retten: Fastfood und Schlaf und genau so sah dann auch der Abend aus. Um nicht einmal 21 Uhr lag ich, vollgefressen wie es sich gehört, im Bett und bekam meine Augen bis zum nächsten Morgen nicht mehr erwähnenswert auf.

Das Frühstück war dann so wie der Check-in Prozess: Enttäuschend. Zunächst belagerte eine indische Familie das „Buffet“, das diesen Namen nicht verdiente, und schien auch für alle nicht mitgereisten Verwandten Waffeln zu machen. Dann war das Angebot an Nahrungsmitteln so trist wie ein Novembertag im Wohnpark Ahe, sodass wir wenig zufrieden wieder ins Auto stiegen und uns auf den Weg machten. Die Sonne war irgendwie nicht mehr so präsent wie noch am Tag zuvor sondern versteckte sich hinter einer Art Hochnebel, aber trotzdem hielten wir nach wenigen Minuten am ersten Strand, der vor allem durch seinen unangenehmen Geruch im Gedächtnis bleiben wird. Aber auch dort war die Küste durchaus schön anzusehen.

Glass Beach in Fort Bragg

Meine Müdigkeit vom Abend zuvor setzte sich dann irgendwie analog zur schönen Felsküste Kaliforniens fort – so einen Dauerzustand kenne ich sonst nur von der Arbeit. Neben der Küste lernten wir an diesem Tag aber auch, nachdem es im Mill Valley staubedingt ja nicht geklappt hatte, die ersten richtigen Redwood Mammutbäume im Humboldt State Park kennen. Ich muss schon sagen, die Kameraden sind verdammt groß. Gegenüber deren Höhe sehe ich wirklich winzig aus – was ich im Vergleich zu anderen Menschen weiß Gott fast nie tue #Körperklaus. Als wir dann so durch den Wald liefen, wartete ich jede Sekunde darauf, dass mir singende und tanzende Hasen, Rehe und Vögeln über den Weg liefen, denn durch die gedimmte Sonneneinstrahlung fühlte man sich wirklich wie in einem Disneyfilm.

Redwood Bäume im Humboldt State Park

Vorfälle dieser Art blieben aber (leider) aus und auch Sandra gelang es nicht, ein vierblättriges Kleeblatt und den Weg zum Gold der Kobolde zu finden. Eine solche finanzielle Unterstützung hätte den Urlaub um einiges erleichtert, das könnt ihr mir glauben. So blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Reise nach Eureka fortzusetzen, wo wir als erstes bei Walmart anhielten, um unsere Getränke- und Snackvorräte aufzufüllen. Schon dort auf dem Parkplatz beschlich uns das ungute Gefühl, dass mit diesem Ort etwas nicht stimmt. Die Gestalten waren merkwürdiger als gewohnt und irgendwie schienen sie uns alle umgehend als Auswärtige zu identifizieren – was auch immer das bedeuten mochte. Aber auch sonst war der Ort irgendwie gruselig. Die Straßen waren mit nur wenigen Menschen gefüllt, diese wiederum stachen durch merkwürdiges Verhalten und/oder Aussehen ins Auge und zahlreiche Häuser waren verlassen. In Kombination mit der Tristesse des grauen Hochnebels kam ich mir vor, als würde die Zombie-Apokalypse kurz bevorstehen. Glücklicherweise hatte zumindest unser Hotel an diesem Tag den Namen absolut verdient, sodass wir uns, abgesehen von einem kurzen Ausflug zum Abendessen, in unserem Zimmer verbarrikadieren konnten.

Mit Erfolg, denn wir überlebten die Nacht unbeschadet und konnten dann sogar, bei immer noch diesigem Wetter, ein überraschend abwechslungsreiches Frühstück genießen, bevor unser Weg weiter Richtung Norden führte. Diesmal ging die Route mangels Straßen nicht mehr so wirklich an der Küste entlang, dafür ging es für amerikanische Verhältnisse mit knapp über 100 km/h mal zügig voran. Das lag aber auch daran, dass das Programm an diesem Dienstag sehr überschaubar war. Außer einem kurzen Abstecher auf einen Scenic Drive, der den Namen aber ebenfalls verdient hat, stand nur noch der Besuch des ersten Nationalparks an: des Redwood National Parks.

Die Küste im Nebel – so ist das hier wohl leider normal

Wie der Name schon erahnen lässt, hat sich dieser Nationalpark den Redwood Küsten-Mammutbäumen gewidmet – den höchsten Bäumen der Welt. Naturinteressiert wie ich nunmal bin (hust), konnte ich mir eine kurze Wanderung auf einem der zahlreichen Wanderwege natürlich nicht entgehen lassen und ich muss sagen: Die Ruhe und Idylle zwischen diesen riesigen Bäumen ist schon gar nicht mal schlecht. Ein Waldfan werde ich aber wohl trotzdem nicht.

Redwoods und Sonne – eine gute Kombination

Quasi direkt aus dem Wald ging es dann zu unserem nächsten Zwischenziel: Crescent City. Noch nie gehört? Macht nix, wir vor diesem Roadtrip auch nicht. Und wisst ihr, wovon wir auch lange nichts gehört bzw besser gesagt gesehen haben? Von der Sonne. Die versteckte sich nämlich weiter hinter einer geschlossenen Dunst-Decke. Unserem coolen Onkel Google zufolge liegt dies an den in der Umgebung zahlreich schwelenden Waldbränden, die erheblichen Einfluss auf die Luftqualität und auch die Lichtverhältnisse nehmen. Jetzt wissen wir zumindest, dass die Sonne uns nicht bewusst aus dem Weg geht. Das tat uns aber dann die Dame an der Rezeption unserer neuen Unterkunft. Denn klar, wie sollte es anders sein, war ein Check-in bei unserer Ankunft noch nicht möglich. Zur Überbrückung der Wartezeit, da es in Crescent City in etwa so viele Sehenswürdigkeiten und Entertainment Möglichkeiten wie in Bergheim City gibt, begaben wir uns dann ins örtliche Starbucks, schmarotzten das WLAN und warteten. Klingt so erbärmlich wie es war, aber so kennt man mich ja. Nach einer ausgiebigen Chill-Pause im Hotel ging es dann nur noch zum Abendessen zu Denny’s und anschließend ein paar Minuten an den Strand, wo sich die Sonne weiterhin nur erahnen ließ.

Der letzte Strand für einige Zeit – Crescent City

Mittlerweile waren aber auch die Temperaturen, nur zur Erinnerung, die 40 Grad Marke war noch nicht so lange her, irgendwie plötzlich herbstlich geworden, sodass ich mir im Shirt ganz schön den Arsch abfror. Keine Sorge, ich trug auch noch untenrum etwas – alles andere will doch keiner sehen.

Und so ging dann auch der vorerst letzte Tag an der Küste zu Ende, ohne dass die Sonne uns so richtig Gesellschaft leisten wollte. Stattdessen sollten wir eine andere, deutlich weniger schöne Gesellschaft in den kommenden Tagen erhalten. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

 

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