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USA Roadtrip 2017: Let’s get it started – San Francisco

Morgens an einem Mittwoch Ende August: Die Sonne geht auf, färbt den Himmel langsam rot und weckt so die Welt. Woher ich das weiß? Nun, ich habe das Schauspiel mit eigenen Augen gesehen – aus dem Auto heraus auf der Autobahn Richtung Düsseldorf. Klingt nach verdammt frühem Aufstehen und ich gebe mir gar nicht erst die Mühe, das zu umschreiben. Der erste Urlaubstag begann so unchristlich früh, dass sowas eigentlich verboten gehört. Aber was will man machen, wenn man von Düsseldorf über München nach San Francisco fliegt, weil es eben ein Schnapper war? Der Geiz heiligt die Mittel, das ist ja nun weiß Gott nix Neues.

Und so ging es dann, reibungslos wie das warme Messer durch die Butter, zunächst nach München um dort nahezu pünktlich anzukommen und ebenso nahezu pünktlich mit dem nächsten Flugzeug in Richtung San Francisco abzuheben. Es lief alles so geschmeidig ab, dass es wirklich keinerlei Grund zur Beschwerde gab – eine Situation, die Gäste von Air Berlin wohl nur aus lange vergangenen Geschichten kennen. Diesmal ging es mit United Airlines über den großen Teich und ich muss sagen, das war gar nicht übel – also mal abgesehen von mehr als 11 Stunden am Stück mit 1,90 Körpergröße in ein Flugzeug eingequetscht zu sein. Netter, guter Service, nicht all zu wenig Platz, Essen was an die heimische Kantine erinnerte und somit für Flugzeugverhältnisse schon fast einem Gourmetmenü gleich kam – ich mag zwar deutsch sein, aber es gab wirklich nichts zu meckern. Und, believe it or not, ich habe auf dem gesamten Flug keinen einzigen Film geguckt. Was ich stattdessen gemacht habe? So genau weiß ich das selbst nicht, aber scheinbar hat es mich ausreichend unterhalten. Als dann auch nach der Landung noch die Einreise schneller vonstatten ging als so mancher Behördenbesuch in Deutschland, fragte ich mich langsam, ob da noch alles mit rechten Dingen zugeht. Glücklicherweise gab es dann einen Rückschlag: Der Transport vom Flughafen in die Stadt stockte, da es wohl in der Innenstadt einen Polizeieinsatz gab und die Bahnen daher nur noch unregelmäßig fahren konnten. Wer regelmäßig mit den Kölner Verkehrsbetrieben zu tun hat, kennt diese Situationen aber zur Genüge und lässt sich davon natürlich nicht aus der Ruhe bringen.

Eine knappe Stunde später konnten wir dann in Downtown San Francisco unser Gepäck aus der Bahn hieven und den Blick nach oben schweifen lassen, denn unser Hotel lag, wie sollte es in dieser Stadt auch anders sein, auf einem Hügel. Mit 17 Kilo Gepäck und nach fast 22 Stunden auf den Beinen kann man sich wohl nur wenig schöneres vorstellen, also außer vielleicht ein Bett. Oder ein Sofa. Oder einen Stuhl. Oder ein halbwegs weiches Stück Fußboden. Ok, es gibt doch einige schönere Dinge. Im Zimmer für die ersten drei Nächte angekommen, gab es dann den klassischen Kampf jedes Fernreisenden: Müdigkeit vs. Zeitumstellung. Um diesen zu Gunsten der neuen Zeit zu gewinnen, ging es daher nochmal raus, aber auch nur um mal im Nike Store (wo auch sonst?) vorbeizuschauen und einen Happen bei Panda Express zu essen. Um nicht mal 20 Uhr Ortszeit gingen die Augen zu wie die meisten Geschäfte in Deutschland. Klingt irgendwie doch nach einem Sieg für die Müdigkeit, oder? Traurig aber wahr, denn um 5:30 war die Nacht ohne Wecker schon wieder vorbei, sodass wir das überschaubare Frühstück im Hotel als eine der ersten Gäste mit Öffnung des „Buffets, bestehend aus Kuchen, Muffins und anderem Zuckergebäck, zu uns nehmen konnten um bereits um kurz nach 8 mit der Erkundung der Stadt zu beginnen. Die berechtigte Frage an dieser Stelle ist natürlich, ob ich noch ganz dicht bin. Und ein klares ja ist für meine Person immer schwierig abzugeben, aber in diesem Fall war ich halt wach und was soll ich sagen: Ich liebe San Francisco seit meinem ersten Besuch 2011.

San Francisco in der Morgensonne

Unser erster Weg führte uns dann auch, wie sollte es anders sein, Richtung Hafen. Wer nun aber denkt, wir hätten es erstmal ruhig angehen und die ganze Stadt auf uns wirken lassen, der liegt ja mal sowas von daneben. Mit einen Coupon von der kostenlosen Stadtkarte aus dem Hotel, klingt irgendwie so geizig und traurig wie es wohl auch ist, haben wir uns stattdessen direkt mal zwei Fahrräder gegönnt um die Golden Gate Bridge und alles, was so mehr oder weniger damit zu tun hat, zu erkunden. Klingt zunächst ja gar nicht mal schlecht, oder? Ist es wohl auch nicht, aber 35 schweißtreibende Kilometer bergauf und bergab später wussten wir auf jeden Fall, was wir getan haben – schmerzende Gesäße und verbrannte Arme inklusive. Richtig gelesen, Sonnenbrand deluxe direkt zum Auftakt – warum sollte man auch an die Sonnencreme denken, wenn der Himmel strahlend blau ist und man Ende August im Urlaub ist.

Blick auf die Golden Gate Bridge vom Radweg

Die Ausblicke waren die Mühe aber wert, also abgesehen vom verdammten Old Mill Park in Mill Valley. Was denkt sich dieser Fahrradverleih einen dorthin zu schicken? Einen Spielplatz zwischen ein paar Bäumen gibt’s selbst im Rhein-Erft-Kreis – und da gibt’s wirklich nicht so viel.

Normale Menschen hätten wohl nach so einer Tour die Räder zurückgebracht und den Abend zur Erholung und Entspannung genutzt. Wir nicht, denn stattdessen ging es auf direktem Weg zur Fähre nach Alcatraz um die berühmte Gefängnisinsel zum Abschluss des Tages noch zu erkunden – Sonnenuntergang inklusive.

Der Sonnenuntergang über dem Pazifik – ein absolutes Muss

Zugegeben, beim Warten auf die Fähre zurück und auf selbiger hab ich mir dann schöne Auszeiten gegönnt und bin einfach an Ort und Stelle im Sitzen eingepennt – merkwürdige Blicke von anderen Touristen blieben nicht aus, aber sowas bin ich ja schon fast gewohnt.

Blöd nur, wenn durch diesen erneuten Sieg der Müdigkeit der Körper weiterhin die Anpassung an die neue Zeitzone verweigert und wieder, pünktlich wie die Maurer, um 5:30 der Meinung ist, es wäre höchste Zeit zum Aufstehen. Wieso schafft der das eigentlich zur Arbeit nie? Womöglich weil es nicht notwendig ist, aber die These lasse ich mal so im Raum stehen. So konnte jedenfalls auch der zweite Tag in San Francisco früh beginnen, diesmal aber ohne Fahrräder, vor allem mein Hintern würde an dieser Stelle wohl den Like-Button drücken, dafür aber mit einem Fußmarsch über die Hügel der Stadt. Wie absurd ist es eigentlich, dass eine Straße steil bergauf führt, während die Parallelstraße wenige Meter weiter gleichzeitig aber bergab führt? Das gleiche Phänomen muss auch dafür verantwortlich sein, dass der HSV momentan in der Bundesliga Tabelle weit oben steht – mit gesundem Menschenverstand ist sowas einfach nicht zu erklären. Den Weg nahmen wir jedenfalls auf uns, um die Lombard Street zu begutachten, diese herrlich kurvige Straße, die jeder Beschreibung spottet. Wenn man hier ist, muss man sie zumindest mal gesehen haben.

Die Lombard Street – so untypisch für Amerika

Danach ging es, übrigens erneut bei strahlend blauem Himmel, diesmal aber mit Sonnenschutz, wieder bergab zum Hafen, wo wir uns erstmal ein dickes Eis bei Ben&Jerry’s gönnten – natürlich nicht der kleine Becher, nein, klein kann jeder. Der Große musste es schon sein, Bauschmerzen logischerweise vorprogrammiert. Wir mussten aber auch schnell essen, denn das gute Zeug schmolz uns sonst unter der Nase weg. Fahrt nach San Francisco haben sie gesagt, dort gibt es zwar immer Nebel, dafür ist es aber auch im Sommer angenehm kühl, haben sie gesagt. Wer auch immer „sie“ sind, sie hatten in unserem Fall verdammt nochmal unrecht. Denn an diesem Freitag war es in der City by the Bay mollig warme 40 Grad und wirklich drückend. Laut Radio wurde sogar die bis dato höchste Temperatur in der Stadt seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen. Und wir können sagen: wir waren dabei. Nur irgendwie fand mein Körper das alles nicht so richtig cool. Denn nach dem Eis reichte es nur noch für einen Bummel durch Fisherman’s Wharf, über Pier 39 (den Entertainment Pier), einen Besuch bei den dortigen Seelöwen und den anschließenden Rückweg zum Hotel, weil es mir so gar nicht gut ging.

Die Seelöwen-Homeboys in San Francisco

Nach einer nachmittäglichen Erholungspause, die gleichzeitig zur Vermeidung der größten Hitze diente, konnten wir dann abends aber nochmal losziehen, die nahe gelegene Mall besichtigen und unsere Zeit im schönen San Francisco bei Denny’s ausklingen lassen.

Für mich war dies nun der dritte Aufenthalt in der kalifornischen Metropole und ich muss sagen, ich würde jederzeit auch noch ein viertes, fünftes und sechstes Mal wiederkommen. Wieso? Weil diese Stadt einfach etwas ganz besonderes ist. Die Lage, das Flair und die Tatsache, dass sie irgendwie nicht so richtig typisch amerikanisch ist, machen es einem einfach schwer, San Francisco nicht zu mögen. In diesem Urlaub war San Francisco aber nur der Ausgangspunkt für den großen Roadtrip. Also dranbleiben, denn am Tag darauf verließen wir die Bay Area – pünktlich zum langen Labor Day Wochenende in den USA.

Ein Kommentar

  1. Call a Bike Call a Bike

    Wenn du hier auch mehr Fahrrad fährst, kannst du auch im Urlaub mehr radeln 🙂

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