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USA/Kanada 2018: Vancouver – Rain City

Schon bei unserer Ankunft in Vancouver nach einer fast schon sonnenverwöhnten Urlaubszeit zeigte sich Vancouver eher von seiner grauen Seite. Es war bedeckt, aber größtenteils trocken. So konnten wir unsere AirBnB Unterkunft beziehen, waren allerdings zunächst nur bedingt angetan. Ich war ja schon im Vorfeld kein Freund dieses Konzeptes, aber die Hotelpreise in Vancouver machten es schier unmöglich, keine private Unterkunft zu buchen. So wurden wir in der unteren Etage eines normalen Einfamilienhauses dann beim Öffnen unserer Wohnungstür von einem Muff begrüßt, der gleichzeitig nach nassem Hund und alten Socken duftete und ich dachte mir nur: wieso zum Teufel miete ich denn den Wäschekeller anderer Leute? Das Apartment selbst war dann letztlich ok, auch wenn der Muff sich hartnäckig hielt und ich gebückt duschen musste, weil ich mir ansonsten den Kopf an der Decke gestoßen hätte.

Nach diesem ersten kleinen Schock machten wir uns dann auf die Suche nach etwas Essbarem – wie sollte es auch anders sein. Eine Recherche bei Tripadvisor und ein anschließender Spaziergang führten uns dann zum angeblich besten Thailänder der Stadt. Der Laden war für einen Samstagnachmittag extrem gut besucht und das Essen war wirklich lecker. Wenn das aber der beste Thailänder der Stadt gewesen sein soll, will ich gar nicht wissen, welche von der Straße gekratzten Reste bei den schlechteren Restaurants dieser Art auf den Tisch kommen. Da es immer noch grau aber trocken war, entschieden wir uns dann quasi als Verdauungsspaziergang noch etwas in die Stadt zu fahren, schließlich dämmerte es bereits und im Dunkeln sieht man ja nicht, ob die Sonne scheint oder alles voller Wolken ist. So führte uns der Weg nach Granville Island, was de facto gar keine Insel ist, dafür aber ein alter Markt- und Industriestadtteil, der heute mit Industrie-Chic und Veranstaltungen Touristen wie Einheimische gleichermaßen anlockt. Was sich hier schon erahnen ließ: in Vancouver gibt es eine ganze Menge Wasser und somit auch eine ganze Menge Skyline an selbigem. Geht immer und sieht auch fast immer gut aus.

Ein Blick auf die Wettervorhersage für Sonntag ließ dann nur wenig Hoffnung auf Sonnenschein und leider hatte ausgerechnet diesmal der Wetterbericht recht. Den kompletten Tag von morgens bis abends war es grau und der Regen wollte und wollte nicht aufhören zu fallen. Wir hatten lediglich die Wahl zwischen leichtem Regen und dem richtigen Siff. Nichtsdestotrotz machten wir uns am Morgen mit Regenjacken ausgestattet auf den Weg zum Hafen. Dort wartete schließlich mein Geburtstagsgeschenk auf uns: ein kurzer Rundflug mit dem Wasserflugzeug über die Vancouver-Area.

Trotz des tristen Wetters war es ein wirklich cooles Erlebnis, auch wenn mein Magen die zahlreichen Luftlöcher in Kombination mit dem ständig präsenten Geruch nach Benzin und Verdünner wie in Opas Werkstatt nur bedingt gut vertragen hat. Bei schönem Wetter wäre die Aussicht sicherlich mega gewesen, aber auch so war es ziemlich gut.

Anschließend marschierten wir bei leichtem Regen durch den Gastown District, die Altstadt von Vancouver. Und ich muss zugeben, die Backsteinbauten und der ganze Flair des Bereiches wussten durchaus zu gefallen. Und auch die Hauptsehenswürdigkeit, eine Dampfbetriebe Uhr, machte keine so schlechte Figur.

Am Ende der Altstadt landeten wir dann mitten in einem kleinen Penner-Camp, was wir aber erst merkten, als es bereits unverwechselbar nach Urin roch. Trotzdem (oder gerade deswegen) gingen wir schnell noch etwas weiter, um noch einen guten Blick auf die Skyline von Vancouver zu erhaschen, bevor wir zurückgingen um uns pünktlich zur Mittagszeit mit einem Snack zu stärken.

In einer richtigen Bäckerei gönnten wir uns genug Kalorien für den Rest des Tages, um gut gestärkt bei mittlerweile richtigem Siff-Regen auch noch das Oylmpic Village von 2010 hinter uns zu bringen. Den Athleten muss es damals schon ziemlich gut gegangen sein, denn alles wirkte sehr modern und so, als könnte man sich dort wirklich wohlfühlen. Mir als passioniertem Sofa-Leistungssportler hätte es jedenfalls gefallen. Und bei Nagano Winter Olympics 1998 auf dem Nintendo 64 war ich sogar richtig stark. Aber das nur nebenbei.

Mit nassen Klamotten ging es dann kurz zurück in unser muffiges Heim in Mount Pleasant (ein Name, der in unserer Wohnung nur bedingt Programm war), um uns etwas aufzuwärmen und zu trocknen, bevor wir uns am frühen Abend schon wieder auf den Weg machten. In weiser Voraussicht hatten wir nämlich ein Escape Game gebucht. Hier mussten wir in Las Vegas den Jackpot knacken um uns so aus dem Raum zu befreien. Und hey, es hat tatsächlich geklappt! Komischerweise hat man uns den Gewinn weder in bar ausgezahlt, noch nach unseren Kontodaten gefragt. Wie genau erhalten wir denn nun den Gewinn? Vielleicht hätte ich da nochmal nachhaken sollen. Sei’s drum. Da der Regen doch danach tatsächlich eine Pause einlegte, aßen wir noch schnell jeweils eine Burrito Bowl und spazierten dann noch einmal die Wege des Vormittags am, um uns anzuschauen, wie die Sachen denn beleuchtet und ohne Regen aussahen. Ergebnis: weiterhin ganz schön. Und der Gastown District sogar schon fast etwas weihnachtlich – ist ja schließlich auch schon September.

Nach dem kurzen Abendspaziergang suchten wir dann die nächstgelegene Bushaltestelle und düsten nach Hause, schließlich hatten wir einen langen Tag hinter uns. Trotzdem achteten wir aber darauf, nicht auf der Hastings Street zu landen. Denn obwohl in unmittelbarer Nähe des touristischen Stadtzentrums liegt, ist sie fest in der Hand von Obdachlosen, Junkies und sonstigen zwielichtigen Gestalten. Ohne es ausprobiert zu haben würde ich wetten, dass ich dort über Umwege alles kriegen könnte: Drogen, Babys, eine Niere oder was man sonst so braucht. Aber auch solche Ecken gibt es wohl in jeder Stadt in Nordamerika.

Am nächsten Morgen haben wir dann mal wirklich ausgeschlafen, weil wir das, was uns vor unserem Fenster erwartete, bereits geahnt hatten: graue Tristesse und Regen. Also ließen wir es ganz entspannt angehen, frühstückten in Ruhe und fuhren dann ganz lässig in das südlich gelegene Tsawwassen, wo wir eine Outlet-Mall besuchten. Und siehe da, im Gegensatz zu Calgary war sie nahezu leer und wir hatten schon fast ein schlechtes Gewissen, dass wir die Verkäufer in die Läden vom Nichtstun abhielten. So verbummelten wir wieder einiges an Zeit, ließen noch das ein oder andere Mal die Kreditkarte auf den Tresen wandern und sahen plötzlich etwas schon fast nicht mehr für möglich gehaltenes: Sonnenstrahlen und fetzen des blauen Himmels. Auch die Wetter-App auf dem Handy sagte plötzlich eine kurze Phase des Aufklarens für Vancouver voraus und so aßen wir schnell noch etwas und schwangen uns anschließend ins Auto, um im plötzlich wieder strömenden Regen zurück zu fahren. Doch kaum hatten wir das Auto in einem Parkhaus in Downtown abgestellt, schien auch über uns plötzlich zumindest ein wenig die Sonne. Wer hätte das gedacht?

Plötzlich sah alles in der Stadt direkt nochmal viel freundlicher aus, doch leider hielt der Zauber nicht wirklich lange. Gerade als wir wieder am schönen Aussichtspunkt im Crab Park angekommen waren, hatten sich die Sonne auch schon wieder hinter Wolken versteckt und wart seitdem nicht mehr gesehen. So flanierten wir dann zurück und ließen uns nochmal in einen Escape Room einsperren – diesmal in den am besten bewerteten der ganzen Stadt. Und auch diesmal hatten wir richtig viel Spaß und waren erfolgreich. Vancouver haben wir in dieser Hinsicht also auf jeden Fall erobert. Anschließend ging es zurück in unseren aufgehübschten Waschkeller und wir ließen den letzten Abend in Kanada entspannt ausklingen. Mit der Rückkehr in die USA und den letzten Tagen in Seattle beginnt dann endgültig die Zielgerade dieses Urlaubs – man mag es gar nicht glauben.

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