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USA/Kanada 2018: Anreise und Olympic National Park

Nach fast einjährigem USA-Entzug war es am Montag endlich soweit: von Amsterdam ging es über den großen Teich. Mit United Airlines ging es via Chicago nach Seattle. Was nach einer nicht unbedingt optimalen Verbindung klingt, entpuppte sich dann leider auch genau als solche. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Check-In und der Sitzplatzauswahl – es gab nämlich einfach keine – gab es nach netten Gesprächen am Gate ein kostenloses Upgrade in die Premium Economy und somit zumindest etwas Platz für mich und meine Beine. Gleichzeitig wurden wir aber mit einem äußerst unruhigen und lauten Säugling in der Reihe vor uns bestraft, sodass der Erholungseffekt des Fluges ganz klar gegen Null tendierte. Als der Anschluss in Chicago dann auch noch die Verspätungskeule auspackte – erst wegen der Flugsicherung an der Westküste, dann weil die Bodencrew scheinbar den ein oder anderen Spanngurt im Frachtraum nicht vernünftig festgezurrt hatte – war die erste Urlaubs-Laune direkt mal wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Und das, obwohl wir dieses Mal schneller in die USA eingereist waren, als Donald Trump gegen Einwanderer hetzen kann. Irgendwann kamen wir dann aber doch noch in Seattle an, unser Gepäck tat es uns gleich und wir holten den Mietwagen ab. Kurze Zeit später saßen wir dann auch schon in unserem Jeep Compass der außer Fliegen und Burger braten gefühlt alles kann, und düsten direkt zum traditionell ersten Stopp eines jeden USA-Urlaubs: Hooters. Vier Burger Sliders, drei Baja Shrimp Tacos und mindestens zwei zu knappe Hosen bei den Bedienungen später ging es dann nochmal ein Stündchen im Auto zu unserem ersten Hotel, welches wir nach mehr als 24 Stunden auf den Beinen auch sehnlichst herbei sehnten.

Eine relativ kurze, vom Jetlag abgebrochene Nacht später saßen wir dann auch schon wieder im Auto, schließlich stand mit dem Olympic National Park der erste Nationalpark dieser Reise auf dem Programm. Von strahlendem Sonnenschein begleitet ging es auf die Olympic Halbinsel und als erstes direkt auf den höchsten Punkt, den man problemlos mit dem Auto anfahren kann: Hurricane Ridge. Obwohl eine Mischung aus Nebel und Rauch die Aussicht etwas trübte, war der Blick über die Weiten des Parks einfach nur fantastisch.

Dass uns auf dem Weg durch den Park bereits vier Rehe wie selbstverständlich entgegen spaziert kamen, unterstreicht die Idylle, von der wir empfangen wurden. Eins der Rehe tat dann nach einen kurzen Moment der Lässigkeit so, als hätte es sich vor dem Auto erschreckt und verschwand im Wald – ein ganz klarer Show-Move für Touristen wie uns.  Aber auf der Olympic Halbinsel gibt es nicht nur Berge, sondern eine unglaublich abwechslungsreiche Natur. Nur wenige Meilen weiter kamen wir beispielsweise am Lake Crescent vorbei, dessen Ruhe und Schönheit fast schon lächerlich perfekt wirkten.

Als nächstes stand dann ein kurzer Pit-Stop in Forks auf dem Programm – dem Ort wo, wie man mir berichtete, glitzernde Vampire aus Twilight zuhause sind, weil dort nie die Sonne scheint. Als wir dort waren gab es derweil keine Wolke am Himmel, ebenso wie dort kein Mensch glitzerte oder einem anderen am Hals herum nuckelte. Die Twilight Filme scheinen also nicht auf einer wahren Geschichte zu beruhen. Von Forks ging es dann bei angenehmen 25 Grad und blauem Himmel Richtung Pazifik-Küste, wo uns dann fast der Schlag traf. Kurz vor dem Ziel dampfte der ganze Wald, das Thermometer stürzte um geschmeidige 13 Grad ab und man sah kaum mehr 50 Meter weit. Dementsprechend erinnerte der Spaziergang am Ruby Beach auch eher an die Szenerie eines Stephen King Romans als an einen normalen Strand.

Wer nun denkt, der Nebel hätte sich schnell verzogen, der irrt gewaltig. Denn die komplette Küste lag in dichtem Dunst und dieser hielt sich hartnäckig wie die letzten Pfunde auf dem Weg zur Bikinifigur. Wieso also im Nebel ausharren, wenn man auch einfach weiterfahren kann. Das taten wir dann auch und statteten noch einem Stück des Regelwaldes des Nationalparks einen Besuch ab, denn auch sowas gibt es auf der Olympic Halbinsel. Da leistete uns die Sonne dann auch gerne wieder Gesellschaft und tauchte den ganzen Wald in ein Licht, als würden gleich haufenweise Disney-Figuren auftauchen und gemeinsam ein Lied über ihre täglichen Tätigkeiten zum Besten geben.

Das passierte (leider) nicht, dafür trafen wir auf dem weiteren Weg auf eine Möwe, deren Absicht sich mir nicht so ganz erschließen wollte. Denn wie aus dem Nichts ging sie auf der Straße auf Konfrontationskurs mit unserem Auto und rammte uns dabei frontal. Versicherungsbetrug? Suizidversuch? Mutprobe? Was die Möwe sich dabei dachte, blieb unklar, aber danach stand jedenfalls fest, dass ein Jeep Compass das Duell gegen eine Möwe problemlos gewinnt.

Am Ende des Tages hatte ich knapp 7,5 Stunden am Steuer des Autos verbracht – sowas nennt man dann wohl einen angemessenen Urlaubs-Auftakt. Planmäßig war das bereits die längste Tagesstrecke des Urlaubs, aber wer weiß schon, ob das so bleiben wird. Der Tag endete schließlich aber standesgemäß, wie ein solcher Tag eines klassischen USA Roadtrips nur enden kann: mit einem Abendessen bei Denny’s direkt gegenüber von einer semi-guten Hotel-Kette, die wir für eine Nacht unser Zuhause nennen. Welcome to America!

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