Zum Inhalt springen

Bundesliga 18. Spieltag: Crazy Animals – Freche Fohlen, geile Geißböcke und ein desaströser Dino

Kaum ist die Hinrunde vorbei, gings auch schon mit dem Start der Rückrunde weiter. Ungewohnt, aber dank des Terminplans von Fifa und DFL wohl etwas, woran man sich gewöhnen sollte. Für mich als Fußballfan ists letztlich völlig gleich, hauptsache die Bundesliga geht weiter (und Alessio geht’s gut).

Allerdings gab’s zum Auftakt erstmal schwere Kost, denn was der FC Schalke und Eintracht Frankfurt da auftischten war alles andere als delikat. Der personifizierte Frankfurter Fußballgott Alex Meier brachte die Eintracht in der 33. Minute in Führung und im Grunde war das auch schon alles, was das Spiel an Unterhaltung bot. Einzig der emsige Burgstaller auf Seiten der Knappen näherte sich dem Frankfurter Gehäuse noch an, am Endstand von 1:0 für die Gäste aus Mainhattan änderte dies aber nichts.

Der Samstag wurde für den geneigten Zuschauer dann deutlich bekömmlicher, ich würde sogar fast von einem Festmahl sprechen, denn die Teams geizten weder mit Action noch mit Toren. Der FC Bayern allerdings bliebt insbesondere mit letzteren hinter den Erwartungen zurück, denn mehr als ein 2:1 in Bremen sprang nicht heraus. Den Auftakt machte die fast schon nostalgische Kombination RibRob bzw Robbery nach einer halben Stunde bevor David Alaba mit seinem Geo-Dreieck ganz genau Maß nahm und einen Freistoß perfekt in den Winkel malte – das 2:0 noch vor der Pause.

Alabas Freistoß-Traum (Quelle: Bild.de)

Aber die Werderander gaben sich noch lange nicht geschlagen und kamen schon kurz nach der Pause wieder ran. Der mächtig motivierte Maserati Max bekam den Ball im Strafraum und verarbeitete ihn so filigran mit den Füßen, dass man ihm fast zutrauen würde, mit selbigen auch eine Operation am offenen Herzen durchzuführen. Der in der Folge völlig offene Schlagabtausch änderte dann aus Sicht der grün-weißen leider nichts mehr am Ergebnis und so kamen die Bayern erneut im Energiespar-Modus zum Auswärtssieg.

In dem Modus befindet sich der vom aussterben bedrohte Bundesliga Dino aus Hamburg gefühlt schon die ganze Saison. Und um das Saisonziel des Relegationsplatzes nicht nachhaltig durch Erfolg zu gefährden, hat man augenscheinlich vor dem Spiel in Ingolstadt entschieden, lieber auf Standby zu schalten. Anders ist es nicht zu erklären, was der HSV dort mit sich machen ließ. Zunächst traf Groß sehenswert per Außenrist, danach fiel ein Freistoß von Suttner abgefälscht in den Hamburger Kasten und so ging es in die Kabine. Unmittelbar nach der Pause wollte dann der eingewechselte Diekmeier zeigen, dass er zur Mission Relegationsplatz mehr beitragen kann, als nur rechter Bankwärmer zu sein, was ihm eindrucksvoll gelang. Er stolperte Groß im Strafraum dermaßen tölpelhaft von hinten in die Beine, dass ich es als Tollpatsch vom Dienst kaum besser hätte machen können. Cohen hatte im Anschluss ebenso wenig Mühe zu erhöhen, wie der Rest seines Teams den Sieg nach Hause zu bringen. Daran änderte auch das sehenswerte Weitschusstor von Sakai nichts mehr, dass den 3:1 Endstand markierte. Wenn noch irgendjemand den Beweis brauchte, dass der Dino bedrohter ist als ein Schokoriegel bei The Biggest Loser, der sollte nun wirklich zufrieden sein. Kein Wunder also, dass man in Hamburg schon auf der Suche nach einem neuen Maskottchen ist.

Weit weg von solchen Problemen ist man derzeit in Köln, wo nicht nur Hennes der VIII. seit dem Weggang von Anthony Ujah ein entspanntes Leben mit seiner Gattin und ähnlich vielen Kindern wie Malle Jens verbringt, sondern auch der FC in sehr ruhigen Gewässern umher schippert. Umso überraschender war es, was die Kölner mit den Darmstädter Lilien am Wochenende anstellten. Den gelinde gesagt wüteten die Geißböcke in Darmstadt und  schenkten den Gastgebern locker flockige sechs Buden bei 6:1 Auswärtssieg ein. Vor allem Yuya Osako hatte enorm Oberwasser, was bei seiner Größe doch eher selten vorkommt.

Osako obenauf (Quelle: Kicker.de)

Ein erzwungenes Eigentor, zwei Tore (eins davon per Kopf!!!) und eine Vorlage standen am Ende zu Buche. Dass Coach Stöger die Darmstädter dann aber in der Schlussphase auch noch vorführte, indem er Milos Jojic einwechselte und dieser auch noch traf, hätte wirklich nicht sein müssen. Am Ende war es aber ein rundum gelungener Ausflug nach Hessen für die gierigen Geißböcke, der nur dadurch getrübt wurde, dass Torjäger Tony Modeste zwischenzeitlich den Beruf wechselte und Sulu im Stile eines Kirmesboxers im Laufduell mit einem Schwinger zu Boden schickte. Punkt- und Auswärtssieg für die Kölner, aber womöglich noch ein Nachspiel für Modeste.

Dass der VfL Wolfsburg zum Rückrundenauftakt sein Heimspiel gegen stark Ersatzgeschwächte Augsburger mit 1:2 verlor, ist keine sonderlich große Überraschung, und sei in Anbetracht des restlichen Spektakels hier nur beiläufig erwähnt, bevor der Fokus auf das Spiel des Spieltags fällt: Die Rückkehr des El Plastico zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim. Das Duell zweier spielstarker, offensiver und ambitionierter Mannschaften hatte alles, was man sich wünscht: Tempo, Torraumszenen und Spannung. Das erste Tor gelang dann den Gästen aus Hoffenheim, die einen Konter so zauberhaft spielten, dass man sich kurzzeitig fragen musste, ob man noch wach ist oder schon träumt. Würde man diesen Spielzug auf Leinwand bannen, es wäre definitiv ein Meisterwerk. Amiri jedenfalls vollendete für die Gäste, die allerdings 20 Minuten später schon den Ausgleich schlucken mussten. Die Leipziger pressten stärker gegen den Ball als man es nach tagelanger Verstopfung auf dem Klo tut und erzwangen so das erlösende 1:1 durch Werner. Nach der Pause ging es unvermindert so weiter, eher der barmherzige Sandro seinem Team einen Bärendienst erwies und zurecht nach einem groben Foul gegen Ilsanker vom Platz gestellt wurde.

Sandro Wagner wird verabschiedet (Quelle: Kicker.de)

Zwar schmissen die Hoffenheimer danach alles rein wie Gäste am all you can eat Buffet, aber es sollte am Ende nicht reichen, denn Sabitzer bugsierte den Ball mit Hilfe des abfälschenden Schärs zum 2:1 Endstand in die Maschen. Damit verloren die Kraichgauer diese Saison erstmals in der Bundesliga während RB den Bayern auf den Fersen bleibt.

Von diesen Gefilden sind die Protagonisten des „Topspiels“ des 18. Spieltags derzeit in etwa so weit entfernt wie Pietro Lombardi von einem Studienabschluss. Mit Leverkusen und Gladbach trafen nämlich zwei Teams aufeinander, die sich diese Saison wohl  etwas anders vorgestellt hatten. Vor allem die Gladbacher stecken mit mickrigen zwei Pünktchen aus Auswärtsspielen im unteren Tabellendrittel fest. Kein Wunder also, dass man im Bayerwerk fest mit den drei Punkten kalkuliert hat und wohl präventiv schonmal vor Anpfiff ein Feuerwerk abbrannte.

Pyro der Leverkusener „Fans“ (Quelle: Kicker.de)

Auf dem Rasen ging es dann für die Werkself auch gut los und man führte gegen überraschend forsche Fohlen nach zwei Standardsituationen zur Halbzeit bereits mit 2:0. Klingt bis dahin nach einem Spaziergang im Park inklusive Lutscher-Klau von einem Baby. Dumm nur, dass das Baby sich nach der Pause wehrte und den Leverkusenern den Lolly sowas von um die Ohren haute, dass ihnen Hören und sehen verging. Zunächst behauptete sich Stindl im Zweikampf gegen den tollpatschigen Tah und nagelte den Ball anschließend humorlos in die Maschen. Kurz darauf tauchte eben dieser Stindl erneut vor dem Leverkusener Kasten auf und nickte völlig freistehend zum Ausgleich ein. Als dann der eher als Klumpfuß bekannte Christoph Kramer den Ball aus dem Mittelfeld so gefühlvoll in den Weg von Raffael hob wie man einen Welpen streichelt, konnte der Wahnsinn endgültig seinen Lauf nehmen. Der quirlige Brasilianer tanzte Samba mit Tah, ließ diesen dabei so beweglich aussehen wie ein Stopschild und vollendete schließlich zum 3:2 für die Gäste (Quelle Titelbild: Kicker.de). Die bereits als Sauerbraten verplanten Fohlen sendeten so ein mehr als klares Lebenszeichen und es bleibt abzuwarten, welches der beiden Teams die Rückrunde erfolgreicher zu gestalten weiß.

Am Sonntag ging es dann weniger herz- und nervenbelastend zu, als der SC Freiburg die alte Dame aus Berlin empfing. Die Breisgauer gingen durch Haberer in der ersten Halbzeit in Führung und verwalteten diese gegen harm- und ideenlose Berliner bis in die Schlussphase hinein. Da ging’s dann dafür nochmal richtig rund wie beim BreakDance auf dem Hubertusmarkt in Bergheim. Erst wurde Nils Petersen seinem Ruf als Edeljoker gerecht und erhöhte unter gütiger Aufsicht der Berliner Hintermannschaft auf 2:0 ehe der ebenfalls eingewechselte Schieber den alten Abstand wieder herstellte und somit den Endstand besorgte. Es bleibt abzuwarten, ob der Hertha erneut in der Rückrunde die Puste ausgeht oder ob man sich aktuell nur eine schöpferische Pause gönnt.

Eine solche gönnte sich die Mainzer Hintermannschaft zum Abschluss des Spieltags gegen den BVB aus Dortmund, als man bereits nach 124 Sekunden von Marco Reus das 0:1 kassierte. Diese kalte Dusche weckte das Team vom Bruchweg immerhin auf, sodass im weiteren Verlauf ein Spiel auf Augenhöhe zustande kam. Die Highlights blieben dabei aber Mangelware wie Bananen in der DDR. Das änderte sich erst, als Danny Latza, seines Zeichens gebürtiger Gelsenkirchener und ehemaliger Spieler von Schalke 04, den Ball in der 83. Minute per Kopf wuchtig im Netz unterbrachte.

Der Schalker im Mainzer Trikot feiert (Quelle: Kicker.de)

In der Nachspielzeit lag sogar noch der Siegtreffer für den FSV in der Luft, allerdings scheiterte de Blasis denkbar knapp. So endet der Spieltag schiedlich friedlich Unentschieden und legt den Grundstein für eine spannende Rückrunde in der gesamten Liga.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.